Möglichkeiten für Marketing auf Snapchat in der Schweiz

     

Fragt man bei Teenagern nach, welche sozialen Netzwerke bei ihnen gerade beliebt sind, so bekommt man definitiv nicht mehr Facebook als Antwort. Vor allem Snapchat und Instagram haben in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Seit dem Markteintritt 2011 ist die Zahl der Nutzer von Snapchat bereits auf 180 Mio. gewachsen. Wir gehen in diesem Artikel auf die Nutzungsmöglichkeiten von Snapchat für Unternehmen in der Schweiz ein und zeigen auf, wie sich die Plattform aktuell entwickelt.

Wie entwickelt sich Snapchat aktuell?

Snapchat betitelt die Anzahl seiner Nutzer auf ca. 180 Millionen und verzeichnete bisher immer ein Wachstum an Nutzern, auch wenn dieses im letzten Jahr etwas abgeflacht ist. Dieser Wachstumsrückgang wird, neben den noch nicht starken Umsätzen, von Investoren bemängelt, was seit dem IPO zu einer Talfahrt an der Börse führte:

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Historisches Nutzerwachstum von Snapchat:

snapchat_statista.png

(Quelle: Statista)

Wieviele und welche Nutzer sind in der Schweiz auf Snapchat aktiv?

In der Schweiz lassen sich laut dem Snapchat Werbenetzwerk 1.310.000-1.525.000 Personen erreichen.

Die Nutzer sind folgendermassen aufgeteilt:

 

Männlich

Weiblich

13-17

160.000-200.000

200.000-250.000

18-20

110.000-150.000

120.000-150.000

21-24

100.000-125.000

110.000-150.000

25-34

100.000-125.000

130.000-175.000

35+

50.000-75.000

100.000-125.000

Gesamt

550.000-650.00

670.000-800.000

Für die Werbebuchung lassen sich sehr granulare Zielgruppen definieren, wie es bereits aus Facebook bekannt ist. Hier kann beispielsweise neben den Interessen die Verbindung des Smartphones, das exakte Gerät oder der Mobile Provider ausgewählt werden.

Theoretisch lässt sich hier - wie auch bei Facebook - eine sehr exakte Personengruppe erreichen. Geht man davon aus, dass Nutzer in Zürich mit Swisscom und einem iPhone X zwischen 25 und 34 Jahren sehr kaufstark für Luxusprodukte sind, so lässt sich dies als Zielgruppe sehr einfach einstellen.

In der Praxis fällt es aber in der Schweiz häufig schwer, tief ins Detail zu gehen, weil die Zielgruppeneinschränkungen schnell zu stark sind und somit kaum noch Nutzer erreicht werden. Daher muss man etwas breiter streuen. Im Nachbarland Deutschland oder gar in den USA sind die Gegebenheiten wesentlich besser für eine genauere Zielgruppenansprache.

Allerdings muss auch erwähnt werden, dass das Problem einer zu kleinen Zielgruppe auch bei Facebook oft eintritt.

 

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Wie funktioniert Snapchat und welche Möglichkeiten bietet das Netzwerk?

Snapchat unterscheidet sich deutlich von sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram und wird grundsätzlich als Messenger (Nachrichtendienst) verwendet. Als Nutzer von Snapchat lassen sich so genannte Snaps an Freunde versenden. Ein Snap kann dabei entweder ein Foto oder ein Video sein.

Wohl bekannt ist, dass Snaps immer nur für eine bestimmte Zeitspanne angesehen werden können. Dies soll in gewisser Weise Vertrauen in die Plattform schaffen, wodurch die Hürde tiefer ist, einen Snap zu versenden. Seitens Empfänger ist es zwar theoretisch möglich, einen Snap z.B. durch einen Screenshot zu speichern, der Sender wird in dem Fall aber benachrichtigt.

Eigene Snaps lassen sich allerdings auch in den Memories speichern. Wenn Snaps hier abgelegt sind, so kann man sie jederzeit wieder versenden. Für Empfänger von Snaps aus Memories ist allerdings erkennbar, dass dieser Snap nicht “live” aufgenommen, sondern erneut versendet wurde.

Mehrere Snaps lassen sich in einer Story ablegen. Diese sollen “Geschichten” darstellen, welche Bilder oder Videos beinhalten können. Wenn Snaps in Stories abgelegt wurden, so lassen sie sich auch von Empfängern mehrfach betrachten. Auch Stories haben eine “Haltbarkeit”, - diese verschwinden nämlich auch nach 24 Stunden. Ausserdem haben Stories die Möglichkeit, öffentlich eingestellt zu werden, wodurch jeder Nutzer in Snapchat Zugriff auf die Inhalte hat, was für Brands natürlich spannend ist.

Welche Werbeformen sind bei Snapchat möglich?

Snapchat bietet mittlerweile einige Werbeformate an:

Snap Ads

Snap Ads sind wohl der “Standard” unter den Werbeformaten bei Snapchat. Die Snap Ads werden bspw. beim Durchstöbern von Stories eingeblendet.

Mit den Snap Ads lassen sich Websites, App-Installs oder auch längere Videos bewerben.

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Filter & Lenses

Filter und Lenses ermöglichen einen enormen Branding-Effekt. So gibt man den Snapchatnutzern die Möglichkeit, diese für ihre Snaps zu benutzen und erreicht somit auch deren soziales Umfeld, wodurch ein solcher Filter schnell virale Effekte erzielen kann.

Eines der bekanntesten Beispiele ist die Kampagne von Taco Bell, welche zu einer der erfolgreichsten Webekampagnen auf Snapchat wurde:

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Hier wurde es ermöglicht, für einen Snap den eigenen Kopf in einen Taco zu verwandeln. Was nun erstmal witzig klingt und aussieht, wurde 224 Mio. Mal angewendet. Nutzer verbrachten durchschnittlich 24 Sekunden mit der Lens, bevor sie den Snap an Freunde verschickten. Das Beispiel zeigt, wie mächtig Snapchat sein kann, wenn es richtig eingesetzt wird.

Für die Erstellung von Lenses hat Snapchat mittlerweile ein eigenes Tool entwickelt, das Lensstudio. Der Nutzen für Snapchat ist natürlich wiederum, dass sich die Lense über die Werbeplatform von Snapchat bewerben lässt, wodurch Snapchat Geld verdient.

Stärkung des Brands durch Influencer auf Snapchat

Neben der Buchung von Werbung ergeben sich bei Snapchat natürlich auch Möglichkeiten für Influencer Marketing. Durch die extrem hohe Aktivität und der “Nähe” zu den Fans lassen sich sehr effektive Kampagnen durchführen.

Einerseits ist es möglich, die Reichweite der Influencer selbst zu nutzen oder aber sie den kompletten Account übernehmen zu lassen. Dies führte z.B. Neckermann im Sommer 2015 durch und gab zwei bekannten Influencern den Auftrag, nach Griechenland zu reisen und dort Fotos und Videos aus dem Urlaub zu verbreiten. Die Kampagne erreichte im Schnitt 300 Aufrufe je Snap, was zum damaligen Zeitpunkt sicher positiv zu bewerten ist.

Beispiele für virale Snapchatkampagnen

Auch für virale Kampagnen, die sich wie ein Lauffeuer verbreiten, gibt es viele Beispiele auf Snapchat. Unternehmen, welche das Medium verstanden haben und wissen, wie Nutzer damit arbeiten, gibt es bereits einige.

So nutzte Mission Impossible 5 das Medium, in dem es Aufträge über Snapchat erteilte, die sich “selbst zerstören”. Dabei wurden über 65 Millionen Aufrufe generiert.

 

Im folgenden Beispiel nutze Jägermeister Snapchat, um eine Party zu bewerben und verteilte regelmässig Hinweise. Bei der Kampagne wurden 1100 Personen erreicht, welche über 200 Snaps an Jägermeister zurückschickten. Tatsächlich nahmen dann über 1000 Personen an der Party teil:

Welche Voraussetzungen gibt es für Online Marketing auf Snapchat?

Snapchat erfordert in der Schweiz ein Mindestbudget von 50.00$ pro Tag auf einem Ad Set. Auf dieser Ebene lassen sich Zielgruppen bestimmen, vergleichbar mit einer AdGroup auf Google AdWords. Um Werbung zu buchen, muss ein Konto auf forbusiness.snapchat.com eröffnet werden. Die Eintrittshürde ist daher also sicher geringer als bei anderen sozialen Netzwerken. Von einem "kleinen Test" ist auch abzuraten, weil der operative Aufwand zur Erstellung der Kampagne sicher grösser ist als bei vielen anderen Kanälen. Daher ist es wichtig, dass bei einem Versuch, ob sich das Medium für den eigenen Brand eignet, eine durchdachte Kampagne durchgeführt wird, die authentisch erscheint.

Snapchat ist insgesamt ein spannendes Medium für Marketingkampagnen. Es ist erstaunlich, welche Möglichkeiten die Plattform nach kurzer Zeit bereits bietet. Vor allem der Druck der Investoren wird sicherlich mehr und bessere Möglichkeiten für bezahlte Werbung auf der Plattform bringen. Wie sehr die Nutzer jedoch die Werbung akzeptieren werden - bleibt abzuwarten.

Ob sich das Medium für Unternehmenswerbung eignet, ist im Einzelfall zu entscheiden und muss ausgetestet werden. Sicherlich stösst man - vor allem in der Schweiz - schnell an Grenzen. Allerdings kann Snapchat zu einem enorm effektiven Instrument zur Kundenbindung werden.

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